mmag. manfred brandfellner

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vorträge/workshops über männerforschung/bubenarbeit: wenn sie sich für eines dieser vortragsthemen interessieren oder interesse an der thematik für ihre institution haben, können sie mich gerne kontaktieren. einen beispielhaften überblick der letzten zeit finden sie hier.


religion und ethik

aufbruch und enttäuschung

als „idealistischer“ junger mann begann ich 1982 in wien kath. theologie zu studieren. ich war betroffen vom "leid in der welt" und zugleich fasziniert von dem mann jesu in der bibel, seiner sanften art, mit leidenden umzugehen und seinen visionen für eine gerechtere, friedlichere, bessere welt. es war die zeit der friedensbewegung, der hainburger au und auch einer fortschrittlichen, modernen theologie in wien. ich war mit vollem eifer dabei und profitierte viel von lehrern mit einem weiten geist. bald wurde jedoch vieles anders: hans hermann groer wurde erzbischof von wien, kurt krenn weihbischof, ein neo-konservativer geist begann sich breit zu machen. 1989 schrieb p.m. zulehner das buch: „wider die resignation in der kirche – aufruf zur kritischen loyalität“. es kam gerade noch zur rechten zeit, um mein theologiestudium wider alle zweifel, ob diese kirche mir noch heimat bieten kann, erfolgreich abzuschließen. umso erleichterter war ich aber auch, dass ich 1988 noch zusätzlich sport zu studieren begonnen hatte –„befreite“ es mich doch u.a. auch von der „angst“, womöglich einmal von einer aus meiner sicht eher rückwärtsgewandten katholischen kirche als meinem „brötchengeber“ abhängig zu werden.


religionsunterricht

1992 begann ich dennoch, neben sport auch religion an einer AHS zu unterrichten. bald hatte ich den eindruck, dass das, was ich vermitteln wollte: mündigkeit, rückgrat, zivilcourage, kritisches denken und handeln im system schule nicht immer und nicht von allen geschätzt wurde. mit manchmal unkonventionellen unterrichtsmethoden zog ich recht bald kritik der kirchlichen schulbehörde auf mich und war schließlich froh, bald nur mehr sport zu unterrichten.

es tat mir zwar immer wieder leid, um all das, was ich in philosophie und theologie studiert hatte und eigentlich weitervermitteln wollte, aber offensichtlich war ich für das "system Kirche" doch zu „freiheitsliebend“.

2007 lud man mich wieder ein, religion zu unterrichten – und auch ich selbst wollte versöhnlich sein und alte konflikte begraben. der neue anlauf währte nicht lange. bei einem gespräch im erzdiözesanen schulamt wien 2008 erklärte man mir wörtlich: „in ihrem alter müssten sie schon verstanden haben, dass man sich der (kirchlichen) hierarchie unterordnen muss.“ nach dieser „ansage“ konnte ich es mir nicht „verkneifen“, kardinal schönborn einen persönlichen brief zu schreiben, wo ich u.a. meinte, dass die kirche vielleicht "kritische geister" nicht "vertreiben" sollte, brächten sie doch manchmal zugang zu jenen fernstehenden, die von den „braven“ häufig nicht mehr erreicht werden könnten. und hat man nicht gerade jesus eher zu den „unangepassten“ seiner zeit gezählt? antwort von kardinal schönborn erhielt ich nie.


trotzdem geblieben

trotz allem war es für mich nie ein thema, aus der kirche wegzugehen. auch wenn ich die katholische kirche insgesamt für eines der letzten antidemokratischen gesellschaftlichen systeme halte, was aus meiner sicht nicht im sinne jesu sein kann, so gibt es doch in ihr viele wunderbare menschen, die großartiges vollbringen. von der tiefen konfessionsverbindenden spiritualität eines david steindl-rast über die vielen bücher eines anselm grün, die nicht nur gäubige menschen „erreichen“ bis hin zum einsatz für die zu kurz gekommenen mit gesellschafts- und politikkritischen aussagen der caritas-verantwortlichen helmut küberl und michael landau lässt sich dieser bogen weit spannen. gibt es auf der einen seite auch viele pfarren, die überaltert sind, so gibt es auf der anderen seite auch viel engagiertes, kritisches potential, das hoffnung macht: das kirchenvolksbegehren 1995 mit 505000 unterzeichnern lebt in der plattform „wir sind kirche“ weiter und warum sollte es nicht vielleicht doch einmal gelingen, die 5 großen forderungen wirklichkeit werden zu lassen: aufbau einer geschwisterlichen kirche, volle gleichberechtigung von frauen in allen kirchlichen ämtern, freie wahl zwischen zölibaterer und nicht-zölibatärer lebensform, positive bewertung der sexualität  als wichtiger teil des von gott geschaffenen und bejahten menschen. frohbotschaft statt drohbotschaft. in jüngster zeit machen mir auch die proteste der pfarrerinitiative hoffnung, dass die kirchenleitung auf druck aus den eigenen reihen vielleicht doch zunehmend reformfreudiger werden könnte.